- Eine Kunst in Aussicht zu stellen wie sie nach dem „Ende der Zivilisation“ existieren könnte, lädt natürlich zu Missverständnissen ein. Als ob man sich einen Zeitstrahl denken würde, auf dem eine mehr oder weniger scharfe Zäsur markiert ist und man einen Blick auf das werfen wollte, was sich dahinter befindet. Oder wie diese Bilder, die für Haartransplantationen und Schlankheitsmittel werben: vorher/nachher. Karikaturen ähnlich jener, bei der die Wiederkehr Christi auf dem Kalender markiert wird. Im Gegensatz dazu muss aber weder auf katastrophale Knalleffekte gehofft bzw. sich davor geängstigt werden, noch hat der mit kluger Miene vorgetragene „unvermeidliche Transformationsprozess, in dem wir uns bereits befinden“ viel mit dieser „Kunst nach dem Ende der Zivilisation“ zu tun. Es handelt sich eher um etwas, das sich jederzeit, von einem Moment auf den anderen zeigen kann und immer schon als Potenzial angelegt ist: Eine Veränderung des Blickwinkels, die dem Sehen und Handeln eine neue Ebene erschließt. Entweder ist es das, was die Kunst nach der Zivilisation ausmacht, oder es handelt sich dabei nur um eine weitere schlaue Apparatur, geboren aus Angst und Hoffnung – wie so vieles andere. -
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